Wie ich zum Dämonennähren kam und wie es funktioniert
Als ich auf einem Kongress in Würzburg im Jahr 2006 im Publikum saß, wartete ich gespannt auf einen Vortrag, das Nähren der Dämonen von einer Tsültrim Allione. Ich hatte noch nie von ihr gehört. Das Buch, um das es gleich noch gehen wird und das später so berühmt werden sollte, war noch nicht erschienen. Ich war damals Vizepräsident einer Universität und hatte in dieser Funktion mit allerlei Schwierigkeiten zu tun. Immer wieder war ich mit Personen konfrontiert, für die mir der Begriff der Dämonen durchaus passend erschien. Und so hatte ich irgendwie den Weg in diesem Vortragssaal auf diesem Kongress gefunden und saß nun da, ohne eine Ahnung davon zu haben, was auf mich zukommen würde.
Der Saal war voll mit ungefähr 150 bis 200 Personen. Dann betrat jemand die Bühne und kündigte die Vortragende an: Tsültrim Allione. Und eine Frau mit langen weißen Haaren setzte sich hin, schaute sich entspannt im Saal um und begann mit den Worten:
„Stell dich deinen dunklen Seiten. Wenn du etwas abstoßend findest, wende dich nicht ab, sondern gehe darauf zu. Wenn du denkst, du kannst jemandem nicht helfen, hilf trotzdem. An was auch immer du festhältst, lass es los. Gehe an Orte, die du fürchtest. Mach dir bewusst, dass alles von fühlenden Wesen erfüllt ist, so unendlich wie der blaue Himmel. Finde den Buddha in dir selbst.“
Pause – Applaus. Dann erzählte sie, wie diese Worte im 11. Jahrhundert für die kaum 20-jährige Tibeterin Machig Labdrön zu ihrer großen Inspiration wurden und und sie ihr Leben lang prägten. Machig Labdrön entwickelte aus diesem Geist eine rituelle, spirituelle Praxis, das Chöd, das sich bereits zu ihren Lebzeiten in ganz Tibet verbreitete und bis heute praktiziert wird.
Sie führte dann weiter aus, dass das Chöd eine sehr urwüchsige Praxis sei, die für westliche Menschen nicht einfach zu vermitteln sei. Deshalb habe sie ein anderes Verfahren entwickelt, was ähnlich hilfreich sei, aber für westliche Menschen schneller verstehbar. Sie habe es entwickelt während sie in Scheidung von ihrem Mann lebte, die sehr emotional war.
In dieser Schwierigen Situation fragt sich sich wie die spirituelle Praxis die sie in Tibet gelernt hatte, sie in dieser sehr realen Problem unterstütze könnte. So hat sie inspiriert von der Chöd-Praxis das Nähren der eigenen Dämonen entwickelt. Da sie es in ihrer von intensiven Emotionen Geprägen Lage als sehrt unterstützend erlebt hatte, wollte sie diese Praxis auch anderen zur Verfügung stellen. Sie erklärte uns dann kurz die 5 Schritte, aus denen diese Praxis besteht und ging dann relativ schnell in das Praktizieren über.
Wir wurden also aufgefordert, uns irgendein Problem oder Thema vorzustellen, mit dem wir uns beschäftigen sollten, also sozusagen das Stellen der dunklen Seite, wenn man so will. Ich hatte natürlich gleich einige schwierige Kollegen im Sinn und wählte einen davon aus. Der erste Schritt bestand darin, dass wir das Thema oder das Problem, was immer es war, in unserem Körper aufspüren sollten. Das fand ich schon sehr ungewöhnlich, denn so ging es schon im ersten Schritt nicht mehr um den schwierigen Kollegen, sondern um mich! Doch zu meiner Überraschung fühlte sich das ganz natürlich an, denn tatsächlich spürte ich sofort eine Stelle in meinem Körper die sich meldete. Dieses Gefühl im Körper wurde dann genauer bestimmt mit Farbe und Form und ein paar anderen Eigenschaften. Im zweiten Schritt sollten wir dieses in uns verkörperte Problem personifizieren, das heißt, wir wurden aufgefordert, uns vorzustellen, dass dieses Gefühl aus uns heraus tritt und uns gegenüber die Form einer Gestalt annimmt, ein Mensch oder ein Tier. Nachdem wir den Dämon in dieser Weise vor uns sahen, stellten wir dann drei Fragen, die sie uns vorsagte. Was willst du? Was ist es, was du brauchst? Wie würdest du dich fühlen, wenn du hättest, was du brauchst?
Dann wechselten wir im dritten Schritt den Platz, wobei wir in dem vollen Saal nur ein bisschen auf unserem Stuhl hin- und herrückten. Wir fühlten uns in den Dämon ein und beantworteten die Fragen. Das war überraschend und zugleich einleuchtend und ließ den anfangs doch böse und aggressiv auftretenden Dämon in einem ganz neuem Licht erscheinen. Dann sollten wir im vierten Schritt wieder den Platz wechseln und uns in etwas Nährendes auflösen, ein Trank oder eine Speise oder Ähnliches, Hauptsache es bestand genau aus dem Gefühl, das sich bei dem Dämon einstellen würde, wenn er hätte, was er wirklich braucht. Wir machten dies dann auch, d.h. wir listen und in der Vorstellung in etwas Nahrhaftes auf, das dem letzten Gefühl des Dämons entsprach, ließen es ihm zukommen und nährten ihn damit. Und dann trat wieder etwas Überraschendes ein, irgendwann war der Dämon tatsächlich vollständig mit diesem guten Gefühl genährt und zufrieden und löste sich auf und ich löste mich irgendwie auch mit auf und da war nur noch ein Zustand von Frieden. Das war dann der fünfte Schritt:1 einfach in diesem friedlichen Gefühl ruhen. Auch den Anderen schien es ähnlich zu gehen wie mir, denn der ganze Raum war erfüllt davon und als wir angewiesen wurden, nach und nach wieder uns in unseren Körper einzufühlen, war ich wie erfrischt und erholt und innerlich wie neu geordnet. Ich habe damals keine Aufzeichnungen gemacht und weiß auch keine Einzelheiten mehr, welcher Dämon das genau war. Aber diese friedliche Ruhe am Ende dieser Dämonenarbeit spüre ich bis heute.
Damals hatte ich noch keine Idee, wie das alles weitergehen würde. Ich hatte nur den Wunsch, das einmal selbst alleine für mich auszuprobieren und in meinem Alltag anzuwenden. Doch da Tsültrim Allione zu dieser Zeit in Deutschland eine Folgeveranstaltung anbot, war mir klar, dass ich das irgendwie möglich machen musste. Und so konnte ich in einem weiteren Kurs bei ihr teilnehmen, bei der wir diese Praxis immer weiter vertieften, sodass es mir am Ende ganz leicht erschien, das für mich selbst einmal allein auszuprobieren, was ich dann auch tat und wieder überrascht war, wie einfach und natürlich sich alles anfühlte und wie neu man sich nach dem ganzen Prozess fühlt.
So nahm alles seinen Lauf und ich praktizierte es nicht nur selbst, sondern zeigte es auch anderen. Das Buch von ihr erschien 2009, in dem dieser Prozess genau beschrieben wird, und 2011 wurde ich ein sogenannter Facilitator, d.h. ein Mensch, der Andere bei diesem Prozess unterstützt.
In dieser Zeit unterstütze ich vor allem Kollegen, Freunde, Familienmitglieder, aber auch Menschen, die das Buch gelesen hatten und um Unterstützung baten. Während meiner Berufstätigkeit konnte ich Feeding Your Demons® leider nicht in dem Umfang Anderen anbieten und vermitteln, wie ich es mir gewünscht hätte. Doch jetzt, nachdem ich mehr Zeit habe, kann ich solche Angebote machen und freue mich über alle Menschen, die es ausprobieren oder in ihren Alltag integrieren möchten.
Meine Ausbildung und Zertifikate
Der Feeding Your Demons® Prozess wird mittlerweile gut organisiert und Menschen, die daran interessiert sind, werden nach und nach eingeführt. Man muss verschiedene Fortbildungen, in denen es vor allem um praktische Erfahrung geht, absolvieren. Es geht darum die richtige Haltung einzunehmen und seine Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Am Ende gibt es eine Prüfung. Für alle Absolvent:innen wird Supervision angeboten, so dass die eigene Arbeit immer wieder reflektiert und verbessert werden kann. Wenn eine Fortbildung erfolgreich abgeschlossen wird, wird dies durch ein Zertifikat bestätigt, dass die jeweilige Berechtigung beschreibt. Die möglichen Zertifikate, Feeding Your Demons® Facilitator, Feeding Your Demons® Group Facilitator und Feeding Your Demons® Workshop Leader habe ich alle erhalten. Meine Lehrerinnen waren Lama Tsültrim Allione, Dr. Barbara Staemmler, Charlotte Rotterdam und Pieter Oosthuizen.
Meine Angebote
Einzelpersonen und Paare
Ich begleite Einzelpersonen und Paare (auf Anfrage)
Anleitung von Gruppen
Ich leite eine Gruppe durch den Prozess. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Einführung.
Schnupperkurs
Einführung in das Feeding Your Demons® / Nähren der eigenen Dämonen mit anschließendem Gruppenprozess (ca. 2 Stunden)
Vorträge
Auf Anfrage
Workshops
- 2-Tage-Workshop Feeding Your Demons® / Das Nähren der eigenen Dämonen (Samstag/Sonntag)
- 3-Tage-Workshop Feeding Your Demons® / Das Nähren der eigenen Dämonen (Freitagnachmittag bis Sonntagmittag)
Workshop (mehrere Tage)
Personales Schreiben, Meditation erlernen, Einführung in Feeding Your Demons® / Das Nähren der eigenen Dämonen, Integration von Spiritualität in Alltag, Beruf und das Leben in der Multi-Krisen-Gesellschaft
Fußnoten
- Heute wird im vierten Schritt noch ein Verbündeter einbezogen, der aus dieser Arbeit hervorgeht und der die Weisheitsaspekte der übenden Person repräsentiert. Aber man kann auch an der Stelle aufhören, an der wir damals aufgehört hatten. ↩︎



