Letztes Jahr war ich kurz vor Weihnachten eingeladen, in der Autobahnkirche Wittlich und im Palais Walderdorff in Trier zum Thema Mystik statt Dogma zu sprechen.
Heute werde ich eine Einführung in die Mystik geben. Das Ganze findet an der Universität Koblenz in unserem Theaterraum F225 um 18 Uhr statt. Es handelt sich um unser gemeinsames Projekt der Dialogforschung, bei der es unter anderem um den interkonfessionellen Dialog geht, aber auch um deutlich mehr, nämlich um die Möglichkeit, ganz unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen, was ausdrücklich auch atheistische Haltungen einbezieht. In der Dialogforschung waren von Anfang an alle künstlerischen Formen einbezogen. Im Zentrum steht daher heute eine künstlerische Performance zu diesem Thema mit Eva Maria Kagermann-Otte, Katharina Otte-Varolgil und Musa. Ich werde mich dabei mit meinem Soma Terra beteiligen.

Mein Textbeitrag ist als Kontextualisierung und Einstieg gedacht, wobei ich zunächst auf das Wort „mystisch“ in der deutschen Sprache eingehen werde. Im Zentrum steht dann die europäische Mystik des 11. und 13. Jahrhunderts, insbesondere verkörpert durch Hildegard von Bingen und Marguerite Porete sowie Meister Eckhart, wobei ich auch Ausflüge in die Mystik des Buddhismus und des Islams machen werde. Schließlich werde ich alles in einen Gegenwartskontext bringen, insbesondere unsere Diskussionen in der Dialogforschung, die ich in meinem Buch Graswurzelglaube (s. Publikationen) als Möglichkeit der tiefen Toleranz beschrieben habe. Es geht darum, wie wir mit dem Bedürfnis nach nationaler Identität und Homogenität, das wir überall bemerken, umgehen können, ohne es pauschal abzuwerten. Derzeit wird Vielfalt von allen möglichen Seiten als Problem dargestellt. Meiner Meinung nach jedoch haben wir uns nur noch nicht tief genug auf sie eingelassen. Daher haben wir die tiefgreifende Erfahrung von Vielfalt, die Erweiterung des eigenen Horizonts, die unseren Blick in das unendliche Blau des Himmels weitet, noch gar nicht in ihrer Tiefe erlebt. Das Geschenk der Vielfalt wartet auf uns, wir müssen es nur noch entgegennehmen.

